2007-05-30

Fischschuppen

Von dasSchaf @ 18:13 [ Beobachtungen ]

Vor einigen Wochen kam unser Kind mit einem gezeichneten Fisch nach Hause. Die Zeichnung war mit dem Auftrag verbunden, jeden Tag 10 Minuten zu rechnen. Pro 10 Minuten durfte eine Fischschuppe ausgemalt werden. Wir Eltern hatten diese Schuppe zu signieren. So weit, so gut. Unser Kind hat Schwierigkeiten mit Kopfrechnen. Wir Eltern sind auch nicht immer mit dem nötigen Nachdruck hinter ihm her, hat doch so ein Kind ohnehin mit Schwimmen, Musik, Kinder-Uni, Spielen etc. ein anstregendes Programm. Item. Vor einer Woche hätte unser Kind in der Schule neun ausgemalte Schuppen vorweise müssen. Am Abend zuvor waren es aber trotz aller Anstrengungen nur sechs. Kurz entschlossen beauftragte ich unser Kind, drei Schuppen auszumalen, die ich anschliessend signierte. Wir würden diese drei zum Voraus bezogenen Schuppen später abarbeiten.   

Gesagt, getan, schlechtes Gewissen! Habe ich meinem Kind nun grad statt des Einmaleins beigebracht, wie man zum Betrüger wird? Beginnen nicht viele Delinquenten ihre Karriere damit an, dass sie am Freitag Geld aus der Tageskasse nehmen in der Absicht, es am Montag wieder zurückzulegen? Wenn nicht am Montag, dann sicher im Verlauf der Woche? Aber allerspätestens beim nächsten Zahltag? EHRENWORT!

Wieviel gescheiter wäre es doch gewesen, es mit sechs Schuppen in die Schule zu schicken. Die Lehrerin hätte es gescholten, die Klasse hätte hämisch gegrinst. Es wäre unserm Kind eine Lehre gewesen. Künftig hätte es sich besser um seine Aufgaben gekümmert und mehr auf seine Eltern gehört, die es immer wieder ermahnen, die Hausaufgaben zu machen. JETZT und nicht SPÄTER!

Wir haben die drei Schuppen am Wochenende danach zusammen abgerechnet, dreimal zehn Minuten. Jetzt fängt es wieder von vorne an. Bis am Freitag sind weitere drei Schuppen fällig - und heute ist schon MITTWOCH!


2007-05-17

Neoaktivdienstler

Von dasSchaf @ 10:21 [ Beobachtungen ]

Im Moment bin ich dran, mich ins Thema Steuerstreit Schweiz-EU zu vertiefen. Ist noch schwierig für einen, dem schon die private Steuererklärung grösste Mühe bereitet. Da ist ja ein gewaltiges Männchenmachen unter Politikern, Experten des Steuerrechts und der Wirtschaftsdiplomatie im Gang. Aber um was genau geht es eigentlich? Was sind das für Firmen, die da profitieren? Und wie profitieren sie? Was haben wir Füdlibürger davon? Wie agieren Bundesrat, Parlament und EU? Welche Strategie steckt dahinter? Tausende von Fragen.

Bei den Recherchen im Web bin ich nun auf den schönen Begriff der "NEOAKTIVDIENSTLER" gestossen. "Zocker" schreibt in einem Kommentar auf ignoranz.ch :

"rlarsson hat nicht physisch sondern nur geistig das Alter der Aktivgeneration nach heutiger Bezeichnug ein Neoaktivdienstler. Diese Typen sind in der Schweiz noch weit verbreitet. Sie glauben noch an militärische Konfliktlösungen, wollen nicht wahrhaben, dass sie in Europa leben, haben Angst vor Ausländern, die ihnen angeblich die Butter vom Brot klauen, sie betrachten sich als zivilisiertere Wesen als der Rest der Welt, sie sehnen sich nach der guten alten Zeit mit der Frau am Herd usw. und ihre geistige Beweglichkeit ist die einer Betonmauer."

"Neoaktivdienstler" - eine echte Bereicherung. Meinen Dank an "Zocker".

 


2007-05-15

Third life: Meierhans stirbt

Von dasSchaf @ 22:55 [ Meierhans ]

Meierhans war sich immer im klaren darüber, dass er nicht im Bett
sterben würde. Dass er enden wird, wie er dann eben endete, hatte er
allerdings auch nicht erwartet. Er stand in der Küche und wusch das
Geschirr ab. Er tat das nicht ungern, denn er konnte dabei durchs
Küchenfenster das Geschehen auf der Quartierstrasse beobachten. Das
Viertel, wo er wohnte, galt als etwas heruntergekommen, aber lebhaft.
Der Blick aus dem Küchenfenster war wie Kino. Meierhans beobachtete
fasziniert, wie vor seinem Fenster ein Auto von zwei andern Autos
eingekeilt und zum Halten gezwungen wurde. Kaum standen die Fahrzeuge
still, öffneten sich die Türen des vorderen und des hinteren Autos.
Bewaffnete Männer sprangen heraus, umstellten das mittlere Fahrzeuge,
zerrten dessen Türen auf, fuchtelten mit Pistolen und schrien auf
einen jungen Mann ein. Dann riss der Film, der Ton verstummte.
Meierhans griff sich an den Hals und sank in ein stummes, schwarzes
Loch. Wie seine Nachbarn später aus den Zeitungen erfuhren, war er
das unglückliche Opfer einer Polizeiaktion gegen Drogenhändler
geworden. Der Schuss, der Meierhans in den Hals gefahren war, hatte
sich gelöst, als die Beamten den mutmasslichen Dealer aus dem Wagen
zerrten. Die Geschichte warf keine grossen Wellen, man war sich in
dem Quartier allerhand gewohnt. Es hatte in den letzten Jahren immer
wieder nächtliche Schiessereien gegeben. Meierhans hatte keine
Angehörigen und wenige Bekannte, niemand stellte Fragen und keiner
vermisste ihn. Die Wohnung wurde geräumt und renoviert und war nach
vier Wochen bereits wieder vermietet.


2007-05-13

B-Post: Oberwaid, St. Gallen

Von dasSchaf @ 19:39 [ Beobachtungen ]
B-Post: Oberwaid, St. Gallen



2007-05-11

Rehabilitierte Rohmilch

Von dasSchaf @ 20:09 [ Beobachtungen ]

Mein Vater trank Milch frisch ab Kuh. Wir Kinder gingen jeweils mit dem Kesseli Frischmilch holen und tranken sie ungekocht und eiskalt. Mitte, Ende der 60er Jahre schleppten wir dann die pasteurisierte Milch in Tetrapaks aus der Migros nach Hause, am Samstag elf Liter für die Grossfamilie. Rohmilch war verpönt, kaum mehr erhältlich, zu riskant, man könnte sich ja etwas holen.

"Milch direkt vom Hof schützt Kinder vor Allergien", lese ich nun heute in der Zeitung. Milch frisch vom Hof bewahrt Kinder vor Asthma und Heuschnupfen. Am besten geschützt sind jene Kinder, die schon in ihrem ersten Lebensjahr Bauernmilch (!) getrunken haben.

Die schützende Wirkung hat gemäss Bericht wenig mit dem bakteriellen Gehalt der Milch zu tun, sondern offenbar mit der Intaktheit der Milch. Bei der industriellen Verarbeitung und der Homogenisierung wird die Milch sozusagen in ihre Bestandteile zerlegt und wieder zusammengesetzt. Dabei geht nicht nur die Individualität im Geschmack, sondern auch die besondere Schutzwirkung verloren.


2007-05-09

Unrast der Stätten

Von dasSchaf @ 23:23 [ Beobachtungen ]

Die Funkstille dauert bereits unanständig lang - aber ich habe eine Entschuldigung. Ich war krank. Die Details erspare ich euch. Jedenfalls bin ich nun wieder auf den Beinen und gehe meiner Lieblingsbeschäftigung nach.

"Zwei Autobahnraststätten gehen neue Wege", lese ich im Stellenanzeiger vom vergangenen Samstag. Interessant. Sie müssen jetzt - nach etwa vier Tagen - schon recht weit sein. Da es sich bei der einen um eine Raststätte an der Gotthardautobahn handelt, nehm ich an, sie zieht nach Süden. Vermutlich auf verschlungenen Wanderwegen abseits der Schnellstrasse über die Alpen. Sicher nicht durch den stinkenden endlosen Tunnel. Bei der andern ist es schwieriger. Sie wird erst Ende 2009 in Betrieb genommen, was sich die Besitzer jetzt aber wohl abschminken können, wo ihre Raststätte sich doch noch während des Baus aus dem Staub gemacht hat. Ich kann es ihr nachfühlen. Ein Leben umgeben von Autos und Lastwagen und griesgrämigen Touristen, die nur rasch pinkeln und tanken wollen, ist ja so etwas von fad. Jedenfalls wünsch ich den beiden Raststätten von Herzen alls Gute. Vielleicht laufen sie einander irgendwo über den Weg. Was dann passiert - nicht auszudenken.

Ausschnitt aus dem Stellenanzeiger "NZZ Executive" vom 5.5.2007