2007-07-20

Wirken Worte leer?

Von dasSchaf @ 17:11 [ Beobachtungen ]
Worte wirken in solchen Momenten leer, sagte Bundesrat Schmid am Trauergottesdienst für die sechs Rekruten, die auf einer militärischen Bergtour im Jungfraugebiet umgekommen waren (Rede). Eine merkwürdige Formulierung für einen Politiker, bei dem Wortmächtigkeit sozusagen zur beruflichen Grundausstattung gehört. Wie kommt das?

Schmid verlangte Zurückhaltung, "nicht zu richten, bevor wir wissen, nicht zu verurteilen, bevor wir die Wahrheit kennen, nicht zu drängen, wo Zeit und Raum für Trauer nötig ist". Er versichert, das Unglück werde untersucht und nötigenfalls auch juristisch aufgearbeitet.

Nach der Gedenkfeier die Medienkonferenz der Armee. Gemäss dem Bericht von Radio DRS im "Echo der Zeit" (17.07.2007) steht ein junger Obergefreiter im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er war auf der Bergtour dabei und schildert, wie er das Unglück erlebt hatte. Der Kamerad vor ihm sei auf ihn gestürzt und habe ihn umgeworfen. Von einer Lawine habe er nichts bemerkt. Der Entscheid für die Routenwahl sei im offenen Gespräch - "ich möchte fast sagen demokratisch" - gefällt worden. Der Radioreporter bezeichnet die Medienkonferenz als Informationsoffensive. Die Armee sei im Erklärungsnotstand. Bezüglich des Unfallhergangs gebe es keine neuen Erkenntnisse, schreiben die Zeitungen am Tag darauf. Die Untersuchung des Unfallhergangs ist noch im Gang.

Mich ärgerte die Medienkonferenz, ich fand es unverschämt, dass die Armee sich am Tag der Trauerfeier, nach der Rede Schmids und bevor die Untersuchung nur annähernd abgeschlossen ist, derart ins Szene setzt. Als ob die Verantwortung der Armee anders läge, wenn sich herausstellte, dass ein Fehltritt und nicht ein Schneebrett das Unglück auslöste.

Worte wirken leer, das stimmt schon. Aber nicht, weil sie Tote nicht zurück ins Leben zu bringen vermögen. Nicht, weil es nichts mitzuteilen gäbe. Sie wirken leer, wenn geredet wird, wo es nichts zu sagen gibt. Oder wenn um den heissen Brei geredet wird. Oder wenn es ums Recht haben geht und nicht ums Mitteilen.

2007-07-14

The Wind Cries Mary

Von dasSchaf @ 15:31 [ Beobachtungen ]

2007-07-13

Ziemlich benebelt

Von dasSchaf @ 22:22 [ Beobachtungen ]
Radio DRS demonstrierte heute morgen, wie gefährlich nur schon die Berichterstattung über Drogen sein kann. Jedenfalls kam es im Verlauf der Sendung zu zwei ziemlich benebelten Äusserungen.

"Es sind vor allem die harten Drogen, die verdeckt eingeschmuggelt werden", sagte ein Sprecher im Bericht über die 300 Kilo Haschisch, die am Grenzübergang Thayingen beschlagnahmt wurden.

»In den Zeitungen wird heute früh auffällig sachlich, ja nüchtern über das Bergunglück berichtet, es ist auch kaum über Mutmassungen zu lesen, es werden auch keine Vorwürfe erhoben, etwa an die Adresse der Armee«, hatte er in zuvor in der Berichterstattung über das Lawinenunglück am Jungfraujoch bedauert.

Shit! kann man da nur sagen.

Podcast
des Morgenjournals vom 13.07.07

2007-07-09

Verkaufte Leser

Von dasSchaf @ 19:57 [ Beobachtungen ]
Der Blick hat in seiner Samstagausgabe eine Form von Werbung platziert, die mir neu ist. Im Sportteil, Seite 3, ein Bericht über den Rücktritt des Skirennfahrers Bruno Kernen vom Spitzensport, dazu ein Bild, das Kernen vor dem Starthäuschen zur Lauberhorn-Abfahrt zeigt, Typ wehmütiger Blick in die bewölkte Ferne. Das Bild ist breit, zieht sich sechsspaltig über den Bund hinweg und würde um Kernen herum viel Wiese, Starthäuschen, Himmel etc. zeigen, wenn nicht ... rechts im Bild eine weisse, kreisrunde Scheibe eingefügt worden wäre, mit einer Danksagung von Kernens Sponsoren sowie deren Logos.

Eine ganz neue Form der Fotografie als Werbeträger also. Bisher sahen wir die "unvermeidliche", indirekten Werbung via Logos auf Athletinnen, Athleten, Sportgeräten, in Stadien etc.. Auch bildhafte Anzeigen mitten im Zeitungstext sind üblich.

Ich als Fotograf fände es nicht so toll, wenn mit meinen Bildern so umgegangen würde.

2007-07-06

Val Lugnez, Bewegung

Von dasSchaf @ 07:13 [ Beobachtungen ]

siehe auch Was Zürich bewegt

2007-07-02

Kreuzfrust

Von dasSchaf @ 15:38 [ Beobachtungen ]
Am Samstag auf dem Bahnhof die International Herald Tribune gekauft. Sie bringt in ihrer Wochenendausgabe jeweils das Kreuzworträtsel der New York Times. Auf Seite 9 findet sich die Lösung des Rätsels vom vergangenen Wochenende - und nochmals das Rätsel vom vergangenen Wochenende! Was für ein Frust!

Die NYT-Rätsel fordern Kenntnisse der amerikanischen Populärkultur, Wortwitz und Kombinationsgabe. Sie sind mit über 100 clues auch sehr ergiebig. Ihre Lösung gleicht einer unterhaltsamen, witzigen, intelligenten Konversation, wie man sie im angelsächsischen Raum häufig erleben kann, hierzulande aber oft schmerzlich vermisst.

Am ehesten noch kommt das KreuzWoz an die unterhaltenden Qualitäten des NYT-Crosswordpuzzles heran. Dasjenige der NZZ hatte schon immer etwas leicht Verklemmtes und wurde jetzt auch noch abgemagert. Die Spielereien im Tages-Anzeiger-Magazin und Zeit sind so zwangshaft witzig, dass es auch keinen rechten Spass machen kann.