2007-10-31

Comdays

Von dasSchaf @ 22:54 [ Beobachtungen ]
David Pogue ist zurück in New York und bloggt über seinen Ausflug in die Schweiz: Sleepless in Switzerland. Ich habe ihn an den Comdays in Biel Reden gesehen. Einen verschlafenen Eindruck hat er nicht gemacht. Im Gegenteil.

Drei Beobachtungen:

1. Ich habe die Gross-Blogger Pogue und Bruno Giussani vor den Comdays nicht zur Kenntnis genommen. Es ging mir mit ihren Blogs (Pogue's Posts | lunch over ip) wie mit vielen andern: ein Blöken mehr in der Herde. Jetzt, nachdem ich die beiden in Biel reden gehört habe, lese ich ihre Blogs regelmässig - wenigstens bis auf weiteres. (Es funktioniert auch umgekehrt; man weiss mit Sicherheit, welche Blogs man ignorieren kann, wenn man die Macher einmal live gesehen hat). In meiner Zeitung dagegen lese ich auch Artikel von Autorinnen und Autoren, von denen ich nur das Kürzel kenne.

2. Pogue beschreibt Beispiele von Kesseltreiben. Von keinerlei redaktionellen Prüfinstanzen gehemmt, treiben Blogger tatsächliche oder angebliche Lügner/Lügnerinnen in den Abgrund. Selbst wenn sich die Vorwürfe am Ende als haltlos erweisen, gibt es keine Entschuldigung, sondern man spürt das nächste Opfer auf. Bloggen hat in den USA, so Pogue, eine Tendenz zum Destruktiven.

Giussani schildert die Entstehung und Durchführung von "bondyblog.fr" und "blogandbreakfeast.ch". Blogs eröffnen den klassischen Medien neue Möglichkeiten der Ausbreitung und Vertiefung von Themen, der Interaktion mit Leserinnen und Lesern. Sie geben jenen eine Stimme, die nur wahrgenommen werden, wenn sie Autos anzünden.

Dass es in den USA auch anderes gibt als destruktives Blogging, zeigt Sylvia Egli von Matt: faces of the fallen, ein Projekt der Washington Post , ist eine ergreifende Gedenkseite für in Irak und Afghanistan gefallene Soldaten - ein Art virtuelles Vietnam-Memorial.

3. Die Hebdo-Blogs sind der kreativste Output, den ich von einem Schweizer Zeitungsverlag seit langem gesehen habe. Alle Gratis- und Sonntagszeitungsprodukte sind fad dagegen. Aber selbst solche Highlights haben es schwer, in der grenzenlosen Blogsphäre zur Kenntnis genommen zu werden. Sonst hätte ich ja schon viel früher darauf aufmerksam werden müssen.

2007-10-27

Abfall lesen

Von dasSchaf @ 17:45 [ Beobachtungen ]
An meiner Bushaltestelle liegt die Gratiszeitung ".ch" auf dem Abfallkübel. Ein erbärmlicher Anblick, der schmerzt. Immerhin steckt selbst in dieser Gratiszeitung Arbeit von vielen Menschen; Redaktorinnen, Fotografen, Schreiberinnen, Telefonisten, Verträgerinnen. Und sie ist, im Vergleich mit dem unsäglichen "heute" geradezu ausgezeichnet gemacht.

Aber das Bild ist sinnig: In der guten alten Zeit legte ein Verträger, eine Verträgerin die abonnierte Zeitung in den Briefkasten, und zur Entsorgung führten Schulklassen Altpapiersammlungen durch. Aus dem Altpapier wurde Karton produziert und die Sammlung finanzierte ein Ferienlager.

Heute wird die Zeitung beim Abfall aufgelegt und im Zug liegen gelassen. Die Beseitigung erfolgt durch das outgesourcte Wagenreinigungspersonal der SBB.

Einkaufen bei Aldi oder im Coop? Zur Billigkasse wechseln? Mediamarkt oder Radio TV Winter? Gratiszeitung oder NZZ? Exlibris oder Buchhandlung Pfister?

Löhne tief, Ware billig, Kosten riesig, Gewinne enorm - der Viertakt des Superkapitalismus*. Mit jedem Schnäppchen legen wir uns selber aufs Kreuz.

* Der Begriff stammt von Robert Reich, dem ehemaligen Arbeitsminister in der Regierung von Präsident Clinton. Aufgelesen habe ich den Begriff im Kontext
von Radio DRS.

2007-10-16

Madonna im Baum

Von dasSchaf @ 22:13 [ Beobachtungen ]
Madonna im Baum

2007-10-15

B-Post: Schaf schwarz-weiss in Quinten

Von dasSchaf @ 18:35 [ Beobachtungen ]

2007-10-06

Den Blick schärfen

Von dasSchaf @ 08:16 [ Beobachtungen ]
Vor einigen Wochen hat mir ein Freund das Buch «Sprache im Denken und Handeln» von Samuel Ichiye Hayakawa ausgeliehen. Hayakawa hat das Werk 1939 geschrieben. Es ist fast 70 Jahre alt, doch immer wieder stosse ich auf Stellen, die aktueller nicht sein könnten. «Wir leben in einer Umwelt, die von bisher völlig unbekannten semantischen Einflüssen geformt und weithin geschaffen ist: die Massenverbreitung von Zeitungen und Illustrierten, die sich in einer schockierenden Anzahl von Fällen der Wiedergabe der unheimlichen Vorurteile und Wahnvorstellungen ihrer Verleger und Besitzer widmen; sowohl lokale wie überregionale Radioprogramme, die fast vollständig von kommerziellen Motiven beherrscht werden; Public-Relations-Berater, die nur hochbezahlte Fachleute in der Kunst sind, unsere semantische Umwelt so zu manipulieren und zu verändern, wie es für ihre Auftraggeber günstig ist», schreibt er und fügt bei: «Es ist eine erregende Umwelt, aber sie ist voller Gefahren.»

Hayakawa will den Leserinnen und Lesern helfen, sich in dieser erregenden Umwelt zurechtzufinden ohne Schaden zu nehmen. Zu jedem Kapitel liefert er Anwendungen oder Beispiele. Sie dienen dazu, den Blick zu schärfen für das, was im täglichen «Niagarafall der Wörter» auf uns niederprasselt und was es mit uns und anderen anrichtet.

Hayakawa hat sein Buch unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges sowie der Entwicklung und des Einsatzes der Atombombe geschrieben und mehrmals erweitert. «Über uns allen hängt die ständige Furcht vor einem weiteren, unausdenkbar schrecklicheren Krieg als dem letzten.» Dieser Angst stellt er die Überzeugung entgegen: Kulturelle und intellektuelle Kooperation ist das grosse Prinzip des menschlichen Lebens. Das Prinzip sei aber keineswegs leicht zu akzeptieren. Denn oft sei man versucht zu sagen, dass eher der Konflikt als die Kooperation das leitende Lebensprinzip sei. «Eine solche Konzeption übersieht aber, dass es trotz aller Konkurrenz an der Oberfläche eine gewaltige Schicht der Kooperation gibt, die als selbstverständlich betrachtet wird und die Welt in Gang hält».

Es ist die Sprache, die diese Kooperation ermöglicht. Wenn ihr Gebrauch indessen die Schaffung und Vertiefung von Uneinigkeit und Konflikten bewirkt, dann - so Hayakawa - «ist linguistisch beim Sprachenden, beim Zuhörenden oder bei beiden etwas nicht in Ordnung».

Wikipedia: S. I. Hayakawa | Semantik


Sämtliche Zitate nach der deutschen Ausgabe «Sprache im Denken und Handeln», erschienen im Verlag Darmstädter Blätter, 4. Auflage. Diese Ausgabe ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Die englischsprachige Ausgabe «Language in Thought and Action» liegt als Taschenbuch in der 5. Auflage vor.

siehe auch: Schafe, Wölfe, Giraffen

2007-10-03

Black sheep days

Von dasSchaf @ 11:43 [ Beobachtungen ]
Schwarzes Schaf T-ShirtUnabhängige Kunstschaffende verkaufen vom Donnerstag, 4. bis Samstag 6. Oktober, ab 13 Uhr Black Sheep T-Shirts an verschiedenen Plätzen in Zürich. Damit soll ein Zürcher Integrationsprojekt unterstützt werden. Weitere Informationen







Little Boy - Fat Man - Fatboy

Von dasSchaf @ 11:27 [ Beobachtungen ]

Auto mit Aufschrift «Fatboy» am Strassenrand parkiert in Basel
«Little Boy» nannten die Amerikaner die erste Atombombe, die sie am 6. August 1945 über Japan abwarfen. «Fat Man» hiessen sie die zweite Atombombe, die sie am 9. August 1945 über Nagasaki explodieren liessen.

«Fatboy» ist die Bezeichnung für einen sogenannten Sitzsack.

2007-10-01

Farewell Lois

Von dasSchaf @ 21:18 [ Beobachtungen ]
«Miss Moneypenny would have been desirable but for eyes which where cool and direct and quizzical.» So beschreibt Ian Fleming in «Casino Royale», der ersten James-Bond-Story, die Sekretärin von «M», des Chefs des Geheimdienstes Ihrer Majestät. Mehr erfahren wir in den James-Bond-Stories nicht über sie. Mehr Worte braucht es auch nicht. Miss Moneypenny kennt die Geheimnisse der Geheimagenten. So hat sie uns und James Bond das Fürchten gelehrt. Und den Respekt vor der Sekretärin. Don't mess around with me!

Lois Maxwell verkörperte in 14 James-Bond-Filmen Miss Moneypenny perfekt. Am Sonntag ist sie 80jährig gestorben.