2008-04-22

Eine Mutter spricht - Teil II

Von dasSchaf @ 22:55 [ Beobachtungen ]
Der "Tages-Anzeiger" hatte am 1. April Silvia Blocher mehr als eine halbe Seite Platz gegeben für eine "Analyse" der Folgen der antiautoritären Erziehung. Vor 40 Jahren habe das Lustprinzip an der Volksschule Einzug gehalten und seither prägten Rücksichtslosigkeit und mangelnde Anpassungsfähigkeit das Verhalten vieler Kinder, schrieb die abgew. Bundesratsgattin (siehe auch "Eine Mutter spricht")

Radio DRS hat die Analyse nicht delegiert, sondern eine Mitarbeiterin erkundigte sich bei jenen nach den Folgen der antiautoritären Erziehung, die das am eigenen Leib erlebt hatten. Banales Fazit: Einiges war toll, anderes nicht. Zu hören in der Kontext-Sendung "68 wird 40: Experiment Kindergarten". Zu Wort kommt auch Jürgen Oelkers, Professor für allgemeine Pädagogik an der Universität Zürich: Die 68er seien schuld, wenn es heute irgendwelche Disziplinprobleme gebe, diese Behauptung "ist grotesk, ist historischer Unsinn, eine billige Erklärung".

2008-04-21

Papa, findest du es übertrieben, dass ein Elfjähriger ein Handy hat?

Von dasSchaf @ 21:57 [ Beobachtungen ]
Dialog zwischen Tochter und Vater am Abend nach der Gutenacht-Geschichte.

Papa, findest du, ich brauche ein Handy?

Nein, eigentlich brauchst du noch keins.

Aber Mama findet, ich brauch eins.

Aha. Weshalb findet Mama, dass du eins brauchst?

Ja also, wenn ich auswärts bin zum Mittagessen, damit sie mich anrufen kann.

Hat sie das gesagt? Dann müssen wir das morgen beim Abendessen besprechen. Einverstanden?

Weshalb denkst du, brauch ich kein Handy?

Du bist ja meistens zu Hause oder dann mit uns unterwegs. Da kannst du immer mit unserem Telefon telefonieren.

Aber wenn ich auswärts bin...

... dann haben die Leute, bei denen du bist, sicher auch ein Telefon, und Mama kann dorthin anrufen, oder du kannst uns anrufen.

Papa, schläfst du schon?

Nein. Ich denke nach.

Worüber denkst du nach?

Ob du ein Handy brauchst?

Findest du es übertrieben, dass ein Elfjähriger ein Handy hat?

Eigentlich schon.

Aber alle in meiner Klasse haben ein Handy.

Aha. Und dürfen sie es in die Schule nehmen?

Nein.

Woher weisst du denn, dass alle eins haben?

Die Lehrerin hat einmal gefragt, und alle haben aufgestreckt. Ausser mir.

Hat sie denn auch einmal gefragt, wer von euch schon in Amerika war?

Nein, aber da wär ich auch wieder die einzige. - Papa, die andern sagen, ich sei ein Baby oder ich sei arm, weil ich kein Handy habe.

Was könntest du denen antworten?

Weiss nicht.

Könntest du denen nicht sagen: Ich habe kein Handy, aber dafür habe ich ein Einrad und ich kann Einrad fahren!

Ja schon, aber meine Freundin hat auch ein Einrad, und sie hat ein Handy.

Die Schweiz hat ca. 7,5 Millionen Einwohner. Swisscom hatte 2007 5 Millionen Mobile-Kunden, Sunrise und Orange hatten je 1,5 Millionen.




Handy-Besitz 2005 in Österreich, Angaben der Kinder (Quelle: KIM-Studie 2005)

2008-04-06

100 Jahre verschlafen?

Von dasSchaf @ 18:05 [ Beobachtungen ]
Zum Beitrag "Eine Mutter spricht" sind zwei Kommentare eingegangen. Herr Brack beurteilt den blog als Gesabber und bezeichnet mich indirekt als Schafseckel. (Lieber Herr Brack: Für ein Schaf ist das kein Schimpfwort.) Ich lese daraus, dass ihn meine Worte verletzt haben. Offenbar schätzt er Silvia Blocher sehr und teilt ihre Auffassungen. Ich respektiere das, sehe deswegen aber keinen Grund, weshalb man nicht ihren Artikel kritisieren könnte und den Tagi dafür, dass er diesen Artikel in diesem Umfang abgedruckt hat.

"Margrit" ermuntert mich, mich von solchen Kommentaren nicht vom Schreiben abhalten zu lassen. Ihre Wertschätzung freut mich sehr. Vielen Dank.



Dornröschen in einer Aufführung der Bayrischen Staatsoper

Nun aber zum Titel:

Am Familientisch kamen wir im Verlauf eines Gesprächs über Geschichten für Kinder auf "Dornröschen" zu sprechen. Dornröschen wird bekanntlich nach einem 100jährigen Schlaf von einem Prinzen gefunden und wachgeküsst - und alles ward gut. Im weiteren Verlauf des Gesprächs ergaben sich Mutmassungen, wie die Welt wohl ausgesehen hatte, als Dornröschen erwachte und wie sie sich darin zurechtfand. Und die Idee eines interessanten Angebots:

Angenommen, es bestünde heute die Möglichkeit, sich in einen 100jährigen Tiefschlaf versetzen zu lassen und nachher gesund und munter zu erwachen:

Würden Sie ein solches Angebot annehmen?

2008-04-03

Warum trägt man die Uhr links?

Von dasSchaf @ 08:38 [ Beobachtungen ]
Dialog am Morgen in der Küche zwischen Tochter und Vater:

"Papa, an welchem Handgelenk trägst du die Uhr?"

"Ich trage selten eine Uhr."

"Ja, schon. Aber wenn du eine Uhr tragen würdest, an welchem ...?"

"Am linken."

"Tragen alle Leute die Uhr am linken Handgelenk?"

"Ich glaub schon."

"Warum ist das so?"

"Keine Ahnung, das ist so."

"Und in Amerika und in China, ist es dort auch so?"

"Ich weiss es nicht."

"Findest du meine Uhr schön?"

"Es geht, schöne Uhren gibt es nicht."

Nur so zum Sagen: In Basel beginnt heute die Uhren- und Schmuckmesse.

2008-04-01

Eine Mutter spricht

Von dasSchaf @ 23:05 [ Beobachtungen ]
Silvia Blocher hat Mühe mit dem Lustprinzip, dem laisser-faire, der antiautoritären Erziehung, dem Egoismus. Sie bringt das alles etwas durcheinander, aber das macht ja nichts. Denn es läuft eh auf eins hinaus: Faulheit, Alkohol- und Drogensucht, Kriminalität allgemein und Jugendkriminalität im besondern. Wird jetzt dann noch die Ganztagesschule eingeführt, dann wird einem um die Zukunft bang.

Eigentlich ist das nicht der Rede wert, wäre es nicht zu lesen im heutigen "Tages Anzeiger" auf Seite 11 (Analyse). Was hat den TA bewogen, Frau Blocher mehr als eine halbe Seite zur Verfügung zu stellen, um sich über Schule und Erziehung auszubreiten? Ihre Qualifikationen? Der 1. April? Ihre Lebenserfahrung? "Silvia Blocher ist ausgebildete Lehrerin, Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sechs Enkelkindern. Sie ist seit 40 Jahren verheiratet mit dem abgewählten Bundesrat Christoph Blocher." Muss schlimm (gewesen) sein.