2008-05-31

Wir sind das letzte «heute»

Von dasSchaf @ 17:37 [ Beobachtungen ]
..., schrieb die «heute»-Redaktion in der letzten Ausgabe. Gut so.

2008-05-22

Basel beleidigt Architekten

Von dasSchaf @ 15:47 [ Beobachtungen ]
Gebäude am Basler Rheinufer mit dem aufgesprayten Schiftzug "Architekten sind Mörder"

Hamburg grüsst die Schiffe, die auf der Elbe den Hafen ansteuern oder Richtung Meer fahren, mit einem Flaggenaufzug und mit Musik (Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft). Die Stadt Basel heisst die Touristen, die auf den Hotelschiffen ankommen, willkommen mit dem Spruch "Architekten sind Mörder".

Seit Wochen prangt der gesprayte Spruch auf der Fassade einer Liegenschaft neben der Dreirosenbrücke am Rhein. Unübersehbar. Die Liegenschaft ist gemäss Grundbuch (Basler Geoportal) in öffentlichem Besitz; mit andern Worten: Sie gehört der Stadt.

Wie bei jeder Botschaft gibt es einen Sender und einen Empfänger. Der Sender (lassen wir es der Einfachheit halber bei der männlichen Einzahl) hat einen einfachen, grammatikalisch korrekten Satz formuliert und als Mitteilung abgesetzt. Sachlich ist die Aussage unhaltbar, ja verunglimpfend. Über den Urheber erfahren wir, dass er erhebliche Risiken in Kauf genommen hat (Polizei, Absturz). Dies, um seine Mitteilung an einem äussert auffälligen Ort mit grosser Beachtung zu plazieren. Er scheint sein Handwerk zu verstehen, die Typographie ist angemessen und regelmässig. Der Schriftzug unterscheidet sich von andern derartigen Mitteilungen dadurch, dass sie weder lustig noch ironisch noch unverständlich erscheint, sondern zornig. Was den Zorn verursacht hat, wissen wir nicht.

Empfänger der Botschaft sind die Bewohner und Besucher der Stadt. Seit Wochen können sie die Aussage "Architekten sind Mörder" zur Kenntnis nehmen, wenn sie am Kleinbasler Ufer promenieren. Zweifellos sind darunter auch Architekten und Behördenmitglieder. Viel anfangen können sie mit der Botschaft wohl nicht. Ist es eine Reaktion auf die Räumung einer besetzten Liegenschaft? Eine künstlerische Intervention zur bevorstehenden Art?

Die lokalen Medien sind nicht hilfreich, Artikel über den Schriftzug sind nicht zu finden.

Im Gespräch sind solche zornigen Aussagen bekannt, sie können auch sofort entschärft werden. "Beruhige dich." oder "Das geht zu weit." Bei Sprayerein ist die Zurücknahme etwas aufwändiger. Der Verursacher selber wird sie nicht entfernen. Intervenieren müsste die städtische Verwaltung. Aber sie tut es ganz offensichtlich nicht.

Mein Freund, der Strafrechtler meint, dass der Schriftzug für Architekten ehrenrührig ist und den Tatbetand eines Ehrverletzungsdelikts erfüllt. Da Delikte auch durch Unterlassen begangen werden können, käme sogar die Stadt (bzw. der Regierungsrat) als Täter in Frage, weil sie den Schriftzug nicht entfernt. Das wäre allerdings nur so, wenn sie eine rechtliche Pflicht dazu, eine sog. Garantenstellung hätte. Nun, mein Freund meint, die Stadt hat eine solche Pflicht mindestens aufgrund der allgemeinen Polizeigeneralklausel, die sagt, dass der Staat alles zu unternehmen hat, um Delikte zu vermeiden (solange es verhältnismässig ist - muss man heute immer beifügen!). Die Stadt darf es also nicht dulden, dass eine ganze Berufsgruppe durch einen eindeutigen Schriftzug - und erst noch auf einem ihrer eigenen Gebäude - in strafrechtlich relevanter Weise beleidigt wird.

Eigentlich sollte man eine Strafanzeige gegen den Regierungsrat erstatten. Vorher solte man die Regierung vielleicht darauf aufmerksam machen, weil sie nicht alles sieht und ihre Beamten ihr nicht alles sagen oder sie die Bürger nicht hört?

Vielleicht sollte man dem Regierungsrat eine Frist setzen, bis wann man die Entwfernung des Schriftzugs erwartet - und dann Strafanzeige! Wie lange soll die Frist sein? Bis zum 1. Juni, wenn das Stimmvolk nach dem Wunsch des Regierungsrats zum Bau der Messehalle ja sagen soll? Bis zum 7. Juni, wenn die Euro losgeht und ganz viele Gäste aus aller Herren Länder nach Basel kommen und sehen, was die Stadt wirklich für ein Verhältnis zu den Architekten hat, eine Stadt wohlverstanden, die angeblich stolz darauf ist, dass sie weltberühmte Architekten beheimatet?

2008-05-08

Es war mir ein Vergnügen

Von dasSchaf @ 19:50 [ Beobachtungen ]
POOT loop by DJGRIFFIN @ freesound.iua.upf.edu
By room (http://freesound.iua.upf.edu/usersViewSingle.php?id=1629)

Heimfahrt am Feierabend. Ich erwache aus meinem power nap. Bewegung im Zug, Passagiere steigen aus und ein, Ventilatoren rauschen, Zeitungsseiten rascheln, Durchsagen dringen gedämpft ins Abteil, Mappenverschlüsse klicken, Sitze knarren: der Soundtrack des stehenden Zuges. Und dann mal was Neues: Eine Garage Band hämmert leise ihr endloses Band. Wo? Auf der andern Seite des Mittelgangs. Ein Herrsitzt im Fauteuil, eingehüllt in einen Kopfhörer. Ich winke ihm zu. Nach einer Weile bemerkt er mich und nimmt die bestimmt kugelsicheren Kopfhörer ab. Immerhin. "Darf ich Sie bitten, den Ton etwas liser zu stellen?" Er schaut mich fragend an. "Wenn der Zug fährt, hören Sie's sowieso nicht mehr." Spricht's und geht zurück in seinen Club. VIelen Dank, war angenehm, mit Ihnen gesprochen zu haben.

Die Nettigkeit ist nichts im Vergleich mit derjenigen, die einem meiner Bekannten wiederfahren ist. Sass er im Zug, las ein Buch und fühlte sich durch ein Gegenüber irritiert, das recht lautstark und ausgiebig telefonierte. Mein Bekannter bittet also dieses Gegenüber höflich, aber, so wie ich ihn kenne, bestimmt, sich etwas zurückzunehmen. Vielen Dank auch. Das Gegenüber führt sein Gespräch unbeirrt zu Ende. Danach neigt er sich meinem Bekannten zu und sagt: "Wenn Sie mich nochmals beim Telefonieren stören, hau ich Ihnen eins in die Fresse!"

So geht das!

Hit noise by ROOM @ freesound.iua.upf.edu
perc - sinehit.wav (http://freesound.iua.upf.edu/samplesViewSingle.php?id=7428)

2008-05-04

B-Post: Courtemautruy

Von dasSchaf @ 22:05 [ Beobachtungen ]
B-Post: Courtemautruy

2008-05-01

Besuch in Pooh's Ecke

Von dasSchaf @ 09:59 [ Beobachtungen ]
Jahrelang liess ich ein Büchlein, das mir ein Freund ausgeliehen hatte, herumliegen. Jetzt, wo ich mich entschlossen habe, es zurückzugeben, habe ich begonnen, darin zu lesen, und will es nicht mehr herausrücken. Wie das Leben so spielt. Harry Rowohlt* - Pooh's Corner - Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand, erschienen 1997 im Heyne-Verlag.

In dem Büchlein sind Kolumnen, Aufsätze und Filmkritiken versammelt, die Rowohlt in der Zeitung "Die Zeit" veröffentlichte. Ein Blogger vor der Zeit. Sätze, die ich ab und zu auch ganz gern in Blogs lesen würde. Jedenfalls habe ich darin die eindrücklichste Kraftmeierei entdeckt, die mir seit langem untergekommen ist:

Denn diese beiden Wörter ["blauäugig" und "Stammtischpolitiker"] sind ja wohl - und jetzt kommt's - das Vermuffteste, Gestrigste, Stumpfste, Dumpfste, Verbohrteste, Verschmorteste, Angegangenste, Wiedergängerischste, Ausgeblutetste, Zugemutetste, Saft-, Kraft-. Stein- und Beinloseste, Verstaubteste, an den Haaren Herbeigeklaubteste, Uncoolste, Unhipste, Mega-Outeste, aus Leitartikeln Zusammengeklauteste, Maueste, Malleste, Alleste, Zickigste, Mickrigste, Blöde/Öde/Schnödeste, das schrägst Gesenkelte, von keinem Gedanken Angekränkelte, Dümmste, Dööfste, was sag ich: Reaktionärste, was man sagen kann.

Man kann das Recyclen und die Platzhalter "blauäugig" und "Stammtischpolitiker" durch andere Begriffe ersetzen. Das überlasse ich Ihnen, ich lese noch etwas weiter in Pooh's Corner.

* Wenn ich in der Wikipedia nachsehe, frage ich mich natürlich schon: Wie konnte ich den jahrelang übersehen? Aber das ist eine andere Geschichte.