Mutter - Grossmutter - Bildungsexpertin
Die Vorliebe der Tagi-Medien, der abgew. Bundesratsgattin Silvia Blocher in Bildungsfragen breit Platz einzuräumen, ist in
diesem Blog und in
andern Blogs schon thematisiert werden. Am 1. April 2008 konnte Silvia Blocher im Tages-Anzeiger auf einer halben Seite (Analyse!!!) ihre Sicht darstellen, was seit 68 falsch gelaufen sei in der Bildung und Erziehung. Vorgestellt wurde sie den Leserinnen und Lesern folgendermassen: "Silvia Blocher ist ausgebildete Lehrerin, Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sechs Enkelkindern. Sie ist seit 40 Jahren verheiratet mit dem abgewählten Bundesrat Christoph Blocher."
Die SonntagsZeitung vom 24. August gewährte ihr ein Interview - Untertitel: "SILVIA BLOCHER über den Staat als Erzieher, überforderte Eltern und den SVP-Widerstand gegen Harmos". In der Einleitung wird sie als "Aushängeschild der SVP gegen «Misstände» im Schulwesen" bezeichnet.
Am 27. August 2008 berichtet der Tages-Anzeiger über Ergebnisse des nationalen Forschungsprogramms "Kindheit und Jugend in der Schweiz". Danach leben zuviele Kinder in der Schweiz in Armut und leiden unter einer verfehlten Erziehung. Wer darf sich im Interview dazu äussern? Natürlich Studienleiterin Pasqualina Perrig-Chiello. Und? Silvia Blocher. Diesmal wird sie den Leserinnen und Lesern als "SVP-Erziehungs- und Bildungsexpertin" präsentiert.
So schnell geht das:
Mutter - Grossmutter - Aushängeschild - Bildungsexpertin. Nun ist es sicher Sache der SVP, wenn sie als Experte, als Expertin in den Abstimmungskampf schickt. Aber mit welchen wissenschaftlichen, beruflichen, publizistischen, handwerklichen Leistungen hat sich Frau Blocher hervorgetan, um als Expertin für Bildung und Erziehung ernst genommen zu werden? Es wäre Sache des Tages-Anzeigers, dies zu hinterfragen.
Knallköpfe beim ADC
Der
Art Director's Club hat einen Nachwuchswettbewerb lanciert, der natürlich "ADC Young Creatives Award" heisst. Motto: "Misch die Werbebranche auf". Sujet: Handgranate.
QuelleWir werden nie abheben
In Basel sind demnächst Regierungs- und Grossratswahlen. "Wir werden nie abheben", versprechen uns fröhlich grinsend Eva Herzog (SP bisher), Guy Morin (Grüne bisher), Christoph Brutschin (SP neu) und Hans-Peter Wessels (SP neu) auf Wahlplakaten, die derzeit überall in der Stadt zu sehen sind.
Versprechen? Drohung? Offenbarung?
Wir werden nie abheben.
Wir bleiben am Boden. Eine gut schweizerische Tugend. Etwas anderes hätten wir weder erlebt noch erwartet oder befürchtet. Was also soll's!
Wir kleben am Sessel. Haben wir das nicht immer schon gewusst? Ein Eingeständnis von in der Politik seltener Offenheit.
Wir bewegen nichts und niemanden. Wie sagte ein führender österreichischer SP-Politiker vor vielen Jahren: "Wer Visionen hat, braucht einen Arzt." Mit dem Mediziner Morin sitzt er bereits im Regierungsrat.
Was immer passiert: wir sitzen es aus. Ende der Geschichte. Links-grüne Politik?
Lachen? Weinen? Oder schnurstracks "
Botellòn"?
Und wen wählen?
Beleidigender Spruch beseitigt
Wir haben ja nicht grundsätzlich etwas gegen Graffitti und gesprayte Sprüche. Im Gegenteil: Wenn der öffentliche Raum gegen Bezahlung mit unflätigster Werbung verunstaltet werden kann, so sind die privaten und anonymen Interventionen oft doch innovativ, witzig, unterhaltsam, anregend. Ausnahmen gibt's. Monatelang war an einem der Stadt Basel gehörenden Gebäude am Grossbasler Rheinufer ein die Architektinnen und Architekten verunglimpfender Spruch zu lesen (siehe
Beitrag vom 22. Mai 2008). Jetzt ist er weg.
Anregung:
The Guerilla Art Kit von
Keri SmithErweiterungen des Wortschatzes
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Bis ins
Aschgraue, sagt Robert im "Zahlenteufel", wenn von unendlichen Zahlenreihen die Rede ist.
Bis in den siebten Magen der Kuh, erklärt meine Tochter. Wie bitte? Das ist doch klar: etwas, das nicht aufhört, ewig sich hinzieht, endlos dauert, langweilig ist. Dass eine Kuh nur vier Mägen hat: was soll's! Das Bild ist lebhaft: bis in den siebten Magen der Kuh.
Ebenfalls gelernt habe ich heute den Begriff
maritime Todeszonen (
NZZ vom 15. August 2008). Es handelt sich um sauerstoffarme Regionen in den Weltmeeren, verursacht durch Düngemittel und andere Verschmutzungen. Zuerst ersticken die Bodenlebewesen, dann die Fische. Die Zahl solcher Todeszonen ist in den letzten zwölf Jahren um fast einen Drittel gestiegen, von 305 auf über 400. Als Beispiel angeführt ist die Mündung des Mississippis bei New Orleans.
Wir stecken tief in der Scheisse, anders kann man's nicht sagen. Über den siebten Kuhmagen hinaus.
siehe auch Virgina Institute of Marine Science
Deadzones 1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1...
Auf besondern Wunsch lese ich "Der Zahlenteufel" von Hans Magnus Enzensberger vor. Zum zweiten Mal. Enzensberger bezeichnet sein Werk als "ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben". Zu diesen, die Angst vor Mathematik haben, gehört Robert. Ihm erscheint der Zahlenteufel im Traum, um ihm zu zeigen, was wirkliche Mathematik ist. Denn vor wirklicher Mathematik braucht man keine Angst zu haben.
Das Teuflische an den Zahlen ist, dass sie so einfach sind, führt der Zahlenteufel Robert in die Geheimnisse seines Reichs ein. Im Grunde braucht man nicht mal einen Taschenrechner, sondern nur eine 1. Mit der kann man fast alles machen, auch sehr,sehr, sehr grosse Zahlen. Robert will wissen, woher der Zahlenteufel das weiss. Hat er es ausprobiert? Nein, sagt der Zahlenteufel, denn das würde zu lange dauern und wäre sowieso überflüssig. Denn es gibt ein Rezept dafür, wie es weitergeht.
Das Rezept leuchtet Robert ein. Aber da bleibt das Problem, das Robert so formuliert hat: Entweder ich kann bis dahin zählen, dann ist es nicht unendlich, oder es ist unendlich, dann kann ich nicht so weit zählen.
Das führt zur Frage: Wie kann es unendlich grosse Zahlen geben, wenn man keine Namen mehr dafür hat! Und zu Gegenfragen: Kann man in einem Menschenleben überhaupt so lang zählen, bis einem die Namen für die Zahlen ausgehen, bevor man stirbt? Und, wo doch gerade olympische Spiele sind: Gibt es einen Rekord im Zählen?