Am schwarzen Loch
Während alle Welt der Inbetriebnahme des neuen Teilchenbeschleunigers harrte und darauf wartete, dass der neutrale Kleinstaat Schweiz die Erde in ein Schwarzes Loch stürzen würde, hat sich dieses Schwarze Loch einen Witz erlaubt. Auf meine Kosten. Statt nach Genf kam es zu mir und nistete sich in meinem linken Auge ein. Über Nacht sah ich links bloss noch eine schwarze Scheibe. Nur an der Peripherie vermochten ein paar Lichtstrahlen ins Auge zu dringen.
Selbstverständlich liess ich mein Auge sofort untersuchen: Glaskörperblutung. Was diese Blutung auslöste, vermochte die Spezialistin nicht zu sagen. Denn so wenig, wie ich hinaus, können sie ins Auge hineinsehen. So bleibt zu warten, bis sich das Blut abgesenkt hat, auf den Grund des Glaskörpers, und von den körpereignen Kräften langsam hinausbefördert worden ist. Üblicherweise erholt sich das Auge in sechs bis neun Monaten und das Sehvermögen kommt zurück. Je mehr ich sehe, desto mehr sieht auch die Augenärztin; sie wird auf der Netzhaut entdecken, was die Blutung verursachte, und die nötigen Behandlungsmassnahmen einleiten können, wenn überhaupt eine Therapie notwendig ist.
Was mich beschäftigt, ist natürlich: Warum auf dem linken Auge blind (wenn auch - so hoffe ich - vorübergehend)? Was hat sich das Schwarze Loch dabei gedacht, als es gerade mich auswählte? Will mich das Schwarze Loch etwas lehren?
Wie erschreckend, aber im Grunde doch harmlos es ist!
In der Tat sind Glaskörperblutungen aus ärztlicher Sicht geringe Ereignisse. Unerfreulich, aber weder schmerzhaft noch bedrohlich. Sie entstehen oft deswegen, weil der Glaskörper mit dem Alter wegen Flüssigkeitsschwund schrumpft. (Wir sind nicht für ein langes Leben gemacht.) Dabei kommt es vor, dass er sich von der Netzhaut löst, und an der Abrissstelle blutet es halt dann. So habe ich es mir erklären lassen.
Ich seh das ein und bin doch nicht beruhigt. Das Schwarze Loch hat mich quasi an seinen eigenen Abgrund geführt: Schau hinein. Schlaflose Stunden beim Gedanken an die Folgen, würde auch dem zweiten Auge etwas geschehen. Was alles nicht mehr wäre.
Bitte spüllen
Wie heisst es in der Fusszeile des Inserats? Fust: Und es funktioniert.
Es lebe die Anonymität
"Wir nicht", bekundeten die Blogger am Blogcamp 3.0 auf die Frage von Peter Hogencamp, wer anonym blogge. Mit Handerheben. Wie an einer Landsgemeinde. DemSchaf gibt's zu denken.
Den Anstoss gab Bundesrat Leuenberger. Es mache ihn manchmal fast traurig, dass Blogger und Kommentatoren lieber anonym blieben, bekannte er am Blogcamp 3.0 (
Video des Tages-Anzeigers). Er frage sich manchmal, warum dieses Bedürfnis. Sein Ideal in der direkten Demokratie wäre, dass jeder seine Meinung veröffentlichen könne, ohne dass er Angst haben müsse.
Prompt führte Peter Hogenkamp zum Abschluss von Leuenbergers Auftritt im Zelt auf dem Turbinenplatz eine Ad-hoc-Umfrage durch, deren Ergebnis
Ronnie Grob so beschrieb: "Blogger sind anonyme Wesen, die gerne mal frech werden, wenn sie sich hinter ihrer Tastatur verstecken können. Dieses Vorurteil hat das Blogcamp 3.0 in Zürich deutlich widerlegt. Eine Umfrage ergab, dass über 90 Prozent der Anwesenden unter ihrem Echtnamen bloggen."
Warum?
Anonymität hat den Geruch des Missbrauchs. Anonym wird jemand angeschwärzt, bedroht, verführt etc. Dabei scheint mir der untadlige Gebrauch der Anonymität/eines Pseudonyms oder Nicknames viel häufiger als der Missbrauch:
- Anonyme Informanten sind als "whistleblower" willkommen.
- Das Abstimmungs- und Wahlrecht wird anonym ausgeübt. Niemand weiss, wer überhaupt und wie gewählt oder gestimmt hat.
- An der Fasnacht machen wir uns mit einer Maske unkenntlich, um uns umso ausgelassener und schamloser austoben zu können.
- Viele Leserinnen und Leserbriefe in Zeitungen sind anonym; der Verfasser ist der Redaktion bekannt.
- In den besseren Wohnquartieren sind viele Briefkasten nur mit Initialen und nicht mit vollem Namen beschriftet.
- Tucholsky schrieb für die Weltbühne unter verschiedenen Pseudonymen, auch um den Lesern eine Vielfalt von Autoren vorzutäuschen.
- Viele Zeitung haben Gefässe für anonyme Autorinnen und Autoren, die mit Biss und Häme das Geschehen kommentieren.
- Junge Leute werden heute standardmäßig gewarnt, keine auffälligen Datenspuren im Web zu hinterlassen. Wer weiss, welcher Personalchef ein Bekenntnis zum Botellon nicht als ungebührliches Verhalten und Ausschlussgrund wertet?
- Die Mehrheit schweigt nicht nur aus Desinteresse, sondern weil sie die Erfahrung gemacht hat oder befürchtet, dass sie sich mit einer offenen Meinungsäußerung nur Nachteile einhandelt, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde etc.
Die anonyme Äusserung steht für sich selber. Wer sie vorbringt, spielt keine Rolle. Es zählt nur das Gewicht der Worte, nicht das Gewicht der Person. So ist sie die demokratischste und wahrhaftigste aller Äusserungen.
Zudem: Was überhaupt ist ein Echtnamen im Web wert? Wer steckt hinter einem Blog, Facebook-Profil, Wikipedia-Eintrag? Jeder und jede kann viele andere sein.
Identität und
Anonymität
Identität und Internet
Liste von Pseudonymen
Wie man sich eine gefälschte Identität im Internet zulegt Fliegen-Abwehr
Sonntagswanderung im Jura. Wir schauen bei Freunden vorbei, geniessen den prächtigen Ausblick von ihrer Sonnenterrasse und stärken uns mit frischen Tomaten und Aromat für den weiteren Weg. Vor dem Abschied fällt der Blick auf einen mit Wasser gefüllten Plastiksack, der am Türsturz hängt. Wir erkundigen uns nach dem Zweck dieser Installation. Das hält die Fliegen fern, lautet die verblüffende Antwort unserer Gastgeber. Das Mittel sei ihnen von Freunden empfohlen worden. Und es wirke.