Löhne gedrückt - Kredite gepusht
Der "Blick am Abend" ist nicht meine bevorzugte Zeitung. Aber wenn er mir im Wartezustand vor der Nase liegt, dann schau ich schon mal hinein. Und siehe da, es lohnt sich. Noch kein Journalist, Kolumnist, Experte hat mir die Hintergründe und Ursachen der Finanzkrise so gut erklärt, wie Werner Vontobel in der Ausgabe vom 27. Oktober 2008:
Die grosse Krise - warum und wie weiter. Mit knappen und klaren Worten stellt er die Entwicklung und die Ursachen der Finanzkrise in sieben Schritten dar. Sein Fazit: Die Löhne wurden gedrückt und durch Kredite ersetzt, aus denen der Konsum finanziert wurde. Die Kreditblase ist geplatzt. Einen Weg aus der Krise gibt es nur, wenn Arbeit wieder besser bezahlt wird.
Markenzeichen "No regrets"
Zur Finanzkrise, deren Ursachen und Folgen haben sich in letzte Zeit viele gescheite Leute geäussert, man kommt kaum nach mit Lesen, geschweige denn mit Verarbeiten. Es gibt aber auch stumme Zeugen, die erklären mehr als 1000 Worte. "No regrets" steht auf der Heckklappe eines in der Berner Schauplatzgasse parkierten schwarzen Porsche Carrera.
Im Handel kostet ein solches Gefährt ab 83'000 Euro. Die verdient man nicht als einfacher Angestellter.
Sondern nur mit einer Haltung: No regrets - kein Bedauern.
Neben den Schienen
Radio DRS
meldet, dass die SBB das Strassenmagazin "Surprise" aus den Bahnhöfen vertreiben will. Die SBB wollten wieder Bahnhöfe, in denen es ums Reisen gehe. Kunden fühlten sich gemäss Aussage eines SBB-Sprechers von den vielen Promotionsaktionen zunehmend gestört.
Es stimmt. Auch mich nerven die ständigen lautstarken Werbeaktionen in den Bahnhofshallen und die Verkäuferinnen und Verkäufer von Bücherclub-Mitgliedschaften und Cablecom-Abos, die sich einem im Pendelstrom in den Weg stellen.
Aber doch nicht die Verkäuferinnen und Verkäufer des Strassenmagazins. Den Verkauf einer Zeitschrift mit einer Promotionsaktion gleichzustellen, dazu gehört schon eine besondere Dumpfheit.
Jahrelang hat die SBB die Bahnhöfe zu Rail Cities aufgedonnert, den Konsumwahn rund um die Uhr gepusht und die Obdachlosen vertrieben. Im Kerngeschäft dagegen hapert es: Unpünktliche, überfüllte Züge, Pannen und Störungen. Bald sollen auch noch gestaffelte Tarife eingeführt werden.
Die Bahn steht neben den Schienen.