2008-11-22

Happy politics

Von dasSchaf @ 15:00 [ Beobachtungen ]
Illuminiertes Parlamentsgebäude

Zum Abschluss der Renovation wird das Parlamentsgebäude in Bern illuminiert. Riesige Projektoren auf dem Bundesplatz werfen farbige "skins" auf die historistische Sandsteinfassade und verwandeln das Bundeshaus in eine Politikfabrik.

Das Farbenspektakel regt die Phantasie an. Bald beginnt wieder eine Schicht in der Politikfabrik; die Belegschaft wird einen neuen Bundesrat wählen und über die Staatshilfe an die Grossbank UBS (Botschaft) debattieren.

Die Hilfe mit Staats- und Steuergeldern wird damit begründet, dass die Bank derart bedeutende Wirtschaftsdienstleistungen erbringt, dass man sie nicht fallen lassen kann. Mit andern Worten: Sie ist für die Wirtschaft das, was die SBB für die Mobilität und die Swisscom für die Telekommunikation - ein Service public. Die Grundversorgungsdienstleistungen von Bahn, Post und Telecom sind staatlich geregelt, also wird nun auch die Grundversorgung des Landes mit Bankdienstleistungen gesetzlich normiert. Der Grundversorgungsauftrag wird der UBS übertragen. Weil der Name mit dem Makel eines kompletten Versagens behaftet ist, werden die für die Grundversorgung wichtigen Geschäfte in eine Postbank eingebracht und der Rest wird verkauft. So verschwindet eine marode Grossbank und die Schweiz erhält eine Postbank. Der Verkauf der nicht notwendigen Teile der Grossbank bringt die Milliarden wieder herein, die Bund und Nationalbank für wertlose "Wertpapiere" der UBS ausgegeben haben.

Solide Banken braucht das Land.


2008-11-06

Schwarzweisse Grauzonen

Von dasSchaf @ 23:10 [ Beobachtungen ]


Wahltag in den USA. Eine Bekannte ruft an und empört sich darüber, dass Radio DRS Obama als ersten schwarzen Präsidenten Amerikas bezeichne. Das sei doch falsch, Obama sei kein Schwarzer, sondern ein Mischling, der Sohn eines Afrikaners und einer weissen Mutter. Meine Bekannte vermutet, die Medien vermieden den Begriff "Mischling", weil er an ein Tabu rühre, die Liebe zwischen einer schwarzen und einer weissen Person.

Meine Bekannte ist mit dem Unbehagen nicht allein: "Kann mir jemand erklären, warum der Nachkomme einer weissen Mutter und eines schwarzen Vaters als Schwarzer bezeichnet wird?", fragt ein Leser in einem Kommentar zum NZZ-Artikel Präsident Obama. "Ich finde es penibel von einem "Schwarzen" Präsidenten zu schreiben (siehe NZZ) und zwar deshalb weil Obama etwa so "schwarz" ist, wie wenn ich nach zwei Wochen segeln an der Sonne nachhause komme und ich bin ein sogenannter "Weisser"! meint ein anderer.

Oder halten wir es mit Alpha: "Irgendwie widert mich die Diskussion darüber, wie «schwarz» Barack Obama nun eigentlich sei und ob man ihn nicht besser «Mischling» oder «Mulatte» nennen sollte, an. Jede Einteilung in Hautfarbekategorien ist rassistisch", hält er in seinem Blog fest.

Der Anruf meiner Bekannten bringt mich dazu, selber nach einer Klärung zu suchen. Ein Blick in die englische Wikipedia zeigt: Wer irgendwo im Stammbaum Vorfahren aus dem südlichen Afrika hat, gilt heute in den USA politisch korrekt als African-American oder Black American. Beide Bezeichnungen werden gleichwertig verwendet, haben aber eine anderes politisches Aroma. Auch die Medien verwenden die Begriffe praktisch synonym.

  • NZZ: Erstmals wird ein Afroamerikaner Präsident der USA
  • TA: Der amerikanische Traum ist endlich farbenblind – zum ersten Mal in der Geschichte der USA wird eine schwarze Familie ins Weisse Haus einziehen.
  • Washington Post: US decisively elects first black President.
  • NYT: Obama - racial barrier falls in decisive victory

Die WoZ ist sich hingegen weniger sicher: Mit Barak Obama wird zum ersten Mal ein Nichtweisser zum Präsidenten der USA gewählt. Ruft sie ihn deshalb bereits auf Seite 2 auf: "Bekennen Sie Farbe" und wirft ihm vor, Rassismus überwinden zu wollen, indem er Rassismus ignoriere?

Als was sieht sich Obama selber? Nicht als Schwarzer, nicht als Weisser, sondern als Sohn einer alleinerziehenden Mutter. "Barack Obama was raised by a single mother and his grandparents. They didn't have much money, but they taught him values from the Kansas heartland where they grew up", beginnt seine Kurzbiographie auf seiner Website. Der Vater und dessen kenyanische Herkunft wird in zwei, drei Sätzen erwähnt. Auch hinter dieser Darstellung steckt natürlich Kalkül.

If the man who could be our first black president has a white mother, and yet Toni Morrison says we already elected one in Bill Clinton, then what's black and white is pretty gray, schreibt Eric Deggans. Er breitet aus, welche Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen mit Obama verknüpft sind: "Shades of black". Sein Artikel erschien bereits am 15. April 2007 in der St. Petersburg Times.

Nun ist der Mann Präsident. Er verkörpert wohl auch, was moderne populations- und molekulargenetische Untersuchungen laut Wikipedia zeigen. Die herkömmliche Einteilung der Menschheit in Rassen besitzt keine wissenschaftliche Grundlage. Jeder Mensch ist ein Mischling. Das Unklare, Mehrdeutige, Wechselhafte, Kompolizierte und Komplexe, vielfach Vernetzte, Multikulturelle hat gewonnen. Ist doch toll!