2008-06-08

@ Claude Martin & Thomas H.

Von dasSchaf @ 23:05 [ Reax ]
Claude Martin, vielen Dank, weist in seinem Kommentar zu "Basel beleidigt Architekten" auf eine etwas seltsame Website hin, die schon am 19. April Fotos von der Sprayerei brachte. Der dortige Autor äussert die Vermutung, der Auspruch richte sich gegen die Architekten Herzog und de Meuron, deren Büro in der Nähe der besprayten Liegenschaft liegt. Und zwar wegen des Baus des Olympiastadions in Peking. Er zitiert dazu ausgiebig aus einem Artikel "Wieviel Moral braucht Architektur?" aus Zeit online.
Mag sein, dass der Spruch ein Protest gegen das Engagement der Basler Architekten in Peking ist. Jacques Herzog äussert sich in einem Interview der NZZ vom 7. Juni 2008 . "Haben Sie keine moralischen Bedenken, Ihre Arbeit in China könnte das totalitäre Regime direkt oder indirekt bejahen?", fragt die NZZ. Nein, antwortet Herzog. Er sehe zwei mögliche Haltungen: "Man kann sagen, in einem Land, das nicht unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder moralischen Standards hat, engagiere ich mich nicht. Dann könnte man aber an vielen Orten nicht bauen, im Grunde nicht einmal im Amerika der Bush-Administration. Wenn man aber nach China geht, kann man sich für einen Prozess der Öffnung starkmachen. Im Kleinen - und ich möchte die Architektur nicht überbewerten - macht man das auch mit einem Bauprojekt."
Mich interessiert aber nicht diese Kontroverse, sondern die Tatsache, dass die Stadt Basel als Besitzerin der Liegenschaft diese Aussage, die ehrverletzend ist, an einem prominenten Ort im öffentlichen Raum über so lange Zeit wirken lässt, statt sie zu entfernen. Ich empfinde das als Zumutung für die Bewohner und Besucher der Stadt.

Thomas H. vom Filmblog schreibt: "Dabei ist aber zu bedenken, dass auf das letzte "heute" der erste "Blick am Abend" folgt. Auch gut so?" Nein, natürlich nicht gut so. Selbstverständlich nicht. Sondern alles noch viel schlimmer.